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Was genau ist ein Kokainentzug?
Der Begriff Kokainentzug beschreibt den Prozess, bei dem nach einer oft langjährigen Kokainabhängigkeit die Substanz abgesetzt wird. Kokain gehört zu den stärksten Stimulanzien und ist eine illegale Droge, die ein extrem hohes Suchtpotenzial hat. In Deutschland konsumieren schätzungsweise 800.000 Menschen Kokain. Kokain ist heutzutage längst keine Randgruppenproblematik mehr und betrifft mittlerweile Menschen aus allen Schichten und Berufsgruppen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Suchtmitteln verursacht der Kokainentzug keine ausgeprägten Entzugserscheinungen. Die Abhängigkeit hat eine stärker ausgeprägte psychische Komponente, was oft die langfristige Abstinenz erschwert. Der Entzug wird durch ein starkes Verlangen (Craving) sowie depressive Verstimmungen gekennzeichnet. Deshalb ist eine ärztliche und psychotherapeutische Begleitung beim Kokainentzug entscheidend.
Wie entsteht eine Abhängigkeit von Kokain?
Kokain wird aus Blättern des Kokastrauchs in Südamerika hergestellt, zu einem weißen Pulver verarbeitet und über verschiedene Wege nach Europa geschmuggelt. Es gehört zu den wirkungsvollsten Stimulanzien weltweit. Ein Stimulans ist eine Substanz, die das zentrale Nervensystem aktiviert bzw. „stimuliert“.
Dort bewirkt Kokain die Blockade Wiederaufnahme von Botenstoffen wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Das führt zu einer dauerhaften Aktivierung des Belohnungssystems im Gehirn und die Betroffenen erleben ein intensives Glücksgefühl, verbunden mit einem Energieschub und einem gesteigerten Selbstbewusstsein. Dieses Hochgefühl macht sehr schnell süchtig und steigert nach dem Abklingen das Verlangen nach einem erneuten Konsum. So entsteht eine starke psychische Abhängigkeit, insbesondere nach dem Abklingen, wobei ein sogenanntes „Tief“ entsteht.
Welche Symptome und Beschwerden sind beim Kokainentzug typisch?
Anders als bei vielen anderen Suchtmitteln ist die Kokainabhängigkeit besonders psychisch bedingt und weniger körperlich. Somit stellen bei einem Entzug die psychischen Symptome die größte Herausforderung dar und sind der häufigste Grund für Rückfälle. Dazu gehören unter anderem:
- Eine tiefe depressive Verstimmung und ein Gefühl der Aussichtslosigkeit
- Starkes Verlangen nach Kokain
- Angst, Panik und innere Unruhe
- Ausgeprägte psychische Erschöpfung
- Schlafstörungen
- Konzentrationsstörungen
- In schweren Fällen auch Suizidgedanken
Auch körperliche Symptome wie ein allgemeines Unwohlsein, Muskelschmerzen, ein verlangsamter Puls und Blutdruckabfall können auftreten.
Wie lange dauert ein Kokainentzug und wie verläuft er?
Wie andere Entzüge kann der Kokainentzug in drei Phasen unterteilt werden. Die erste, akute Phase wird oft auch als „Crash“ bezeichnet und beschreibt das Abklingen des Kokains nach dem letzten Konsum. Diese Phase tritt bereits nach wenigen Stunden auf. Betroffene fühlen sich oft, als würden sie in ein Loch fallen und erleben ein emotionales Tief und eine extreme Erschöpfung. In dieser Phase kommt es häufig zu einem erhöhten Schlafbedürfnis und starkem Hunger.
Die psychischen Symptome dominieren die zweite Phase des Entzugs und in den ersten Tagen bis Wochen kommt das Craving nach einem erneuten Kokainkonsum zurück. Diese Phase ist die schwierigste und psychisch extrem belastend für die Betroffenen. Die Ausschleichphase tritt in vielen Fällen erst Wochen bis Monaten nach dem letzten Konsum ein und beschreibt die Phase, in der sich die Stimmung allmählich stabilisiert. Jedoch kann das Craving noch mehrere Monate bestehen bleiben.
Welche Phasen durchlaufen Betroffene während des Entzugs?
Betroffene durchlaufen während des Entzugs unterschiedliche Phasen und erleben eine wahre Achterbahn der Gefühle. Eine der bedeutsamsten und für die Betroffenen schwierigsten Phasen ist die Phase der Leere nach dem Kokainentzug. Durch den Kokainkonsum verlernt das Gehirn, Glückbotenstoffe wie Dopamin auf natürliche Weise auszuschütten, und die Betroffenen gewöhnen sich mit der Zeit an die Euphorie. Die größte Herausforderung ist es, Freude, Motivation und Selbstbewusstsein langsam und geduldig aufzubauen und sich an ein normales Ausmaß dieser Gefühle zu gewöhnen.
Viele Dinge, die den Betroffenen früher Freude bereitet haben, scheinen plötzlich bedeutungslos. Genau diese Phase ist am schwersten zu überstehen, da sie psychisch sehr belastend ist. Daher ist eine psychotherapeutische Nachsorge sehr wichtig, um Bewältigungsstrategien zum Überwinden dieser Phase zu entwickeln.
Wie wird ein Kokainentzug behandelt – ambulant oder stationär?
Da der Kokainentzug nicht mit lebensbedrohlichen körperlichen Entzugserscheinungen verbunden ist, kann in vielen Fällen ein ambulanter Entzug durchgeführt werden. Hierbei ist aber vor allem das soziale und häusliche Umfeld entscheidend. Bei weniger ausgeprägten Abhängigkeiten und einem unterstützenden sozialen Umfeld kann durchaus ein ambulanter Entzug in Erwägung gezogen werden.
Ein stationärer Entzug wiederum ist dann sinnvoll, wenn eine langjährige Abhängigkeit besteht, ambulante Entzüge gescheitert sind oder gleichzeitige Abhängigkeiten anderer Substanzen oder psychische Erkrankungen bestehen. Ein stationärer Entzug ist besonders dann indiziert, wenn das Risiko für Suizidgedanken oder starke Depressionen erhöht ist.
Ist ein Kokainentzug allein oder zu Hause sinnvoll?
Ein vollständig allein durchgeführter Kokainentzug oder medizinische Begleitung zu Hause wird nicht empfohlen. Das liegt daran, dass die psychischen Beschwerden von den Betroffenen oft unterschätzt werden und das starke Craving häufig doch zu Rückfällen führt. Außerdem bietet eine professionelle Begleitung eine gewisse Sicherheit für den Fall, dass im Verlauf schwere Depressionen bis hin zu Suizidgedanken auftreten. Ohne die passende Anlaufstelle können diese Krisen unbemerkt und unbehandelt bleiben.
Des Weiteren können die behandelnden Ärzte je nach Indikation auch unterstützende Medikamente verschreiben oder psychotherapeutische Maßnahmen einleiten. All diese Leistungen würden bei einem selbstständig durchgeführten Entzug entfallen und erschweren den Prozess.
Welche Medikamente und unterstützenden Maßnahmen können helfen?
Beim Kokainentzug gibt es keine fest vorgeschriebenen Medikamente wie bei anderen Entzügen. Die Behandlung verläuft hauptsächlich symptomorientiert und dient in erster Linie dazu, die Betroffenen so gut wie möglich psychisch zu stabilisieren. Das kann von Patient zu Patient total unterschiedlich ausfallen.
Der zentrale Bestandteil ist die Psychotherapie. Dazu gehört die kognitive Verhaltenstherapie, in der die Betroffenen Rückfallstrategien und Bewältigungsstrategien für den Alltag entwickelt. Auch Selbsthilfegruppen werden von den Betroffenen als positive Unterstützung gesehen.
Zu den medikamentösen Therapien können mehrere Medikamentenklassen in Betracht gezogen werden. Bei starken depressiven Symptomen können vorübergehend selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) und bei Ängsten Anxiolytika verschrieben werden. Bei Schlafstörungen können auch Schlafmittel eingesetzt werden.
Welche Ärzte & Kliniken sind Spezialisten für den Kokainentzug?
Spezialisten für die Therapie und Begleitung während eines Kokainentzugs sind in der Regel Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Aufgrund der hohen psychischen Belastung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Psychiatern und Psychotherapeuten besonders wichtig. Dafür empfehlen sich spezialisierte Suchtzentren und psychiatrischen Kliniken mit Suchtabteilungen, da sie sich täglich mit Menschen mit Suchterkrankungen befassen und am meisten Erfahrung haben.
Neben einer medizinischen Versorgung rund um die Uhr verfügen diese Einrichtungen über ein breites Angebot an verschiedenen Therapien, die Betroffene während des Entzugs unterstützen. Unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig auf ihre Erfahrung und Expertise im Bereich des Kokainentzugs überprüft und erwarten Ihre Anfrage.
Quellen:
- AWMF-Leitlinie – Kokain, Amphetamine, Ecstasy (Thieme):
Thomasius R et al. AWMF-Behandlungsleitlinie: Psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain, Amphetamine, Ecstasy und Halluzinogene. Suchttherapie [Internet]. 2004. DOI: 10.1055/s-2004-818531. Verfügbar unter: www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2004-818531 - Konsummuster Kokain – Sucht-Journal:
Piontek D et al. Konsummuster und Auswirkungen des Kokainkonsums im Gruppenvergleich: Ergebnisse einer Online-Erhebung in Deutschland. Sucht. 2025;71(4). Verfügbar unter: econtent.hogrefe.com/doi/full/10.1024/0939-5911/a000935 - Bundesdrogenbeauftragter – REITOX-Bericht 2024:
Bundesbeauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen. Starker Anstieg der Sicherstellungen von Kokain in Deutschland – REITOX-Bericht 2024 [Internet]. Berlin; 2024 [zitiert am 27.07.2026]. Verfügbar unter: www.bundesdrogenbeauftragter.de/presse/detail/reitox-bericht-2024/
