Was Paare zusammen hält


Partnerschaft

Der Wunsch nach Bindung und Zugehörigkeit ist ein zentrales, menschliches Grundbedürfnis. In Beziehungen sorgt dieser Wunsch allerdings oft genug für Zündstoff.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

Wir wollen dazu gehören. Dieser Wunsch begleitet uns Menschen vom ersten Atemzug an: Ein Säugling, der keinerlei Bindung und soziale Zuwendung erfährt, ist weder lebens- noch entwicklungsfähig. In unserer westlichen Gesellschaft ist die soziale Zugehörigkeit auf verschiedene Lebensbereiche verteilt. Wir erfahren sie bei Schulkameraden in der Klasse, später den Kollegen im Beruf oder auch in Vereinen und der Nachbarschaft.

Eine zentrale Rolle aber spielt die Partnerschaft, so Dr. med. Clemens Boehle, Spezialist für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor der Gezeiten Haus Kliniken in Bonn und Wesseling bei Köln:

„In einer Partnerschaft wünscht sich jeder, dass er so geliebt wird, wie er ist. Man möchte positiv wahrgenommen und stimuliert werden. Allerdings sind Beziehungen häufig auch überfrachtet mit Wünschen an den Partner, die dieser gar nicht erfüllen kann. Auch in einer Beziehung ist jeder einzelne für sein eigenes Glück verantwortlich. Allerdings erwarten die meisten, dass der Partner sie glücklich machen soll.“

Enttäuschte Erwartungen in der Partnerschaft

In jeder Beziehung gibt es Spannungsfelder, die sich nicht vermeiden lassen, sagt Dr. Boehle. So stehen dem Wunsch nach einer festen Bindung und Geborgenheit das Bedürfnis nach Autonomie entgegen sowie der allgegenwärtige Konflikt zwischen Dominanz und Unterwerfung. Typische Alltagskonflikte seien z.B. die Lebensbedingungen ( Haus oder Wohnung? Land oder Stadt? ) oder ein Kinderwunsch (Jetzt oder später? Gar keins oder Großfamilie?).

„Die große Herausforderung ist es, einen Ausgleich zu schaffen. Eine Partnerschaft hat immer auch etwas mit Verhandlungen auf Augenhöhe zu tun. Wenn sich zum Beispiel bei der Urlaubsplanung herausstellt, der eine möchte wandern, der andere an den Strand. Dann zeigt sich schnell, wie wohlwollend ein Paar bereit ist, diesen Konflikt zu lösen und nach Kompromissen für die unterschiedlichen Bedürfnisse zu suchen. Wenn der Ausgleich nicht gelingt und ein Partner das Gefühl entwickelt, mehr in die Beziehung zu investieren, als er bekommt, dann entsteht Enttäuschung.“

Einen Ausgleich schaffen

Es gibt zwei große Risikofaktoren bei Konflikten innerhalb einer Partnerschaft, erklärt der systemische Paartherapeut Boehle. Der eine sind fest angelegte Rollenmuster. Diese funktionieren nur, wenn sowohl der dominante als auch der unterwürfige Partner sich in ihrer Position wohl fühlen und diese akzeptieren.

Dies ist allerdings selten der Fall. Häufiger resultiert daraus zunächst Unzufriedenheit. Gelingt es nicht, diese auszugleichen, entsteht Verbitterung. Es erfolgt ein emotionaler und auch körperlicher Rückzug, bei dem es kaum noch möglich ist, positiv aufeinander zu reagieren. „Der zweite Risikofaktor ist ebenso gefährlich: Nämlich dann, wenn zwei Erwachsene versuchen, sich gegenseitig zu erziehen. Das ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt und zeigt einen Mangel an Respekt, Wertschätzung und Akzeptanz“, so Dr. Boehle.

Die Rollen innerhalb der Partnerschaft müssten unbedingt flexibel bleiben. Jeder Partner sollte in der Lage sein, seine starken Seiten einzubringen aber auch seine vielleicht schwachen und verletzlichen Seiten zu zeigen.

„Eine klassische Asymmetrie entsteht in vielen Beziehungen, wenn ein oder mehrere Kinder hinzukommen. Häufig bleibt die Frau zuhause, verzichtet zumindest zeitweise auf Beruf und Karriere. Auch wenn die Männer gerne behaupten, die Frau habe es zuhause doch viel besser, bringt sie als Mutter gerade in dieser Zeit ein großes Investment in die Beziehung ein. Darüber muss gesprochen werden und darüber müssen sich auch beide Seiten im Klaren sein. Ein Ausgleich könnte hier zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, wenn die Frau ihren Beruf wieder aufnehmen möchte und der Mann Elternzeit in Anspruch nimmt oder ggf. auf einen Karriereschritt verzichtet.“

Therapie bei chronischen Beziehungskonflikten

Seelischer Stress ist eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts, sagt Dr. Boehle. Bei 70 Prozent der Erkrankungen seien psychische Probleme mitursächlich. Daher sei es wichtig, sich mit anhaltenden Problemen in seiner Partnerschaft aktiv auseinander zu setzen.

„Häufig entsteht ein Stillstand, weil die Partner sich nur noch gegenseitig mit Vorwürfen konfrontieren und erwarten, dass der andere den ersten Schritt macht oder nachgibt. Hier versuchen wir am Anfang einer Therapie gemeinsam zu erarbeiten, dass die Suche nach einem Schuldigen nicht zielführend ist, sondern die Bedürfnisse beider Partner gerechtfertigt sind und die verfahrene Situation ein Gemeinschaftsprodukt ist.  Im nächsten Schritt müssen wir versuchen heraus zu finden, was diese Situation verursacht hat“, betont der Psychotherapeut.

Wunderbar sei es, wenn ein Paar gemeinsam Hilfe sucht. „Dann wissen wir zumindest: Es gibt einen Minimalkonsens, beiden liegt etwas an dieser Beziehung und sie sind bereit, gemeinschaftlich daran zu arbeiten.“ Normalerweise weiß jeder von uns, mit welchen Handlungen oder Worten sich ein Streit provozieren lässt.

Im Rahmen der Therapie könnten beide Partner lernen, genau diese Provokationen zu unterlassen und stattdessen zu überlegen, was sie als Einzelne tun könnten, damit die Beziehung wieder eine positive Entwicklung nimmt. „Auch wenn nur ein Partner kommt, können wir mit einer gemeinsamen Analyse der Situation und Hilfestellungen bewirken, dass Bewegung in die festgefahrene Situation kommt“, so Dr. Boehle. Allerdings könnten durch die Veränderungen bei nur einem Partner wieder neue Konflikte entstehen. 

Was für eine harmonische Beziehung wichtig ist

Damit eine Partnerschaft funktioniert und das zentrale Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit erfüllt, sind Verbindlichkeit und Respekt wesentliche Faktoren, erklärt Dr. Boehle. Beide Partner sollten versuchen, positive Elemente in ihrer Beziehung zu betonen und sich auch Raum für Zweisamkeit zu lassen. Jede freie Minuten mit den Kindern oder Freunden zu verbringen könne auch ein Beziehungskiller sein.

„Bei Konflikten oder Streit sollte darauf geachtet werden, alte Wunden nicht neu zu verletzen. Dazu müssen diese allerdings zunächst überwunden werden. Manchmal hilft es schon, den Partner zu fragen: Was kann ich tun, damit Du mir diese Sache nicht mehr übel nimmst? Nach einem Akt der Wiedergutmachung muss dann allerdings ein Schlusspunkt gesetzt werden.“

Dass Beziehungen scheitern und eine ersehnte soziale Bindung nicht gelingt, kommt sowohl in Partnerschaften als auch in anderen Gruppenkonstellationen immer wieder vor. Sich therapeutische Hilfe zu suchen ist kein Garant dafür, dass alle Wünsche erfüllt werden, betont Dr. Boehle. „Am schönsten ist es natürlich, wenn wir eine Beziehung erhalten und positiven Einfluss nehmen können. Aber manchmal erkennen die Betroffenen im Rahmen einer Therapie auch, dass eine Trennung unvermeidlich ist. In diesem Fall können wir helfen, die Partner vor weiteren Verletzungen zu schützen.“ Denn selbst, wenn man sich eingestehen muss, dass die Beziehung nicht mehr zu retten ist, kann immer noch die Trennung gelingen.

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