Knieverletzungen im Wintersport – Prävention und Therapie


Wäre die Knieverletzung ein Handelsprodukt, wäre der Wintersport Zulieferer Nummer Eins. 

SUSANNE AMRHEIN, PRIMO MEDICO 

Universitäts-Professor Dr. Rudolf Schabus aus Wien ist passionierter Skifahrer und eine internationale Größe, was die Behandlung von Wintersportverletzungen betrifft. Seit über dreißig Jahren ist er in der Kniebandchirurgie zuhause, verfügt über Erfahrungen in allen Operationstechniken, die das Kniegelenk betreffen, und hat daran mitgewirkt, diese zu verfeinern. Er selbst hat als Skifahrer noch keine Knieverletzung erlitten. Kennt aber die Probleme und Bedürfnisse seiner Patienten, die sich sowohl aus Freizeit- als auch aus Profisportlern zusammen setzen. Höchstbelastungen erfahren zur Zeit die Teilnehmer des vor kurzem begonnenen Alpinen Skiweltcups.

PRIMO MEDICO: Herr Prof. Schabus, warum gilt das Knie als größte Schwachstelle im Wintersport?  

Das Kniegelenk ist zwar durch einen straffen Bandapparat, Menisken und Muskeln stabilisiert, ist dadurch aber gleichzeitig in seiner Rotations-Möglichkeit eingeschränkt. Durch die Beugung des Kniegelenks beim Skifahren wird die Rotationsbewegung größer. Hinzu kommen die Stöße durch Geschwindigkeit und Beschaffenheit der Piste, die vom Knie ausgeglichen werden müssen. All dies vermehrt die Belastung auf Bänder und Meniskus.  

PRIMO MEDICO: Welches sind die häufigsten Knie-Verletzungen bei Wintersportlern? 

Am häufigsten betroffen sind die Seiten- und Kreuzbänder, auch Meniskusrisse oder neuerdings verstärkt Brüche des Schienbeinkopfes sind keine Seltenheit. Früher, als wir noch sehr viel schlechtere Skischuhe hatten, fanden sich die Verletzungen eher im Unterschenkelbereich, meistens in Form eines Bruches. Durch die deutlich verbesserte Stützfunktion der Skischuhe haben sich die Probleme weiter nach oben verlagert, in Richtung Knie. 

PRIMO MEDICO: Wie entstehen diese Verletzungen: durch heftige Zusammenstöße oder Eigenverschulden? 

Die meisten Verletzungen entstehen durch zu hohe Geschwindigkeiten oder durch extreme Drehbelastungen, wie sie auch beim langsamen Umkippen der Fall sein können. Hier sind besonders die Bänder betroffen, die diesen Einwirkungen nicht standhalten. Knochenbrüche dagegen ereignen sich bei Männern häufig aufgrund hoher Gewalteinwirkungen wie z.B. bei Sprüngen oder durch die Kompressionsbelastung, die durch die Einwirkung von Körpergewicht und Geschwindigkeit entsteht. Bei Frauen stellen wir im Zusammenhang mit Brüchen im Wintersport oft fest, dass diese bereits im Vorfeld unter einer Knochenstrukturschwäche, wie z.B. Osteoporose, litten. Diese entsteht zum Beispiel durch den Mangel an Vitamin D und an ausreichender Bewegung –  typische Phänomene unserer Zeit.  

PRIMO MEDICO: Gibt es spezielle Risikogruppen, die besonders anfällig sind für Knieverletzungen? 

Im Grunde gibt es zwei Gruppen von High-Risk-Patienten: Das sind zum einen die guten Skifahrer, die bei großer Geschwindigkeit, also hoher Krafteinwirkung auf das Knie, z.B. beim Carven, ihr vorderes Kreuzband zerstören – ohne dass ein Sturz erfolgt ist. Und zum zweiten sind es Skifahrer, die über ihre Verhältnisse fahren. Die sich aufgrund zu schwacher Muskulatur und mangelnder Kondition z.B. beim Abbremsen oder fast schon klassisch bei der letzten Abfahrt verletzen, wenn die Kraft nicht mehr reicht. Hinzu kommt, dass das neue Skimaterial auch schwächeren und untrainierten Skifahrern Geschwindigkeiten ermöglicht, die das Können weit übersteigen.  

PRIMO MEDICO: Gibt es heutzutage Möglichkeiten, die typischen Skiverletzungen schnell und erfolgversprechend zu heilen? 

Auf jeden Fall. Bis Mitte der 80er Jahre konnte man nur jede zweite Knieoperation als „zufriedenstellend“ beurteilen. Heute liegt die Erfolgsquote bei 90 bis 95 Prozent.  

Ich rekonstruiere alle Meniskus- und Kreuzbandverletzungen arthroskopisch, also minimal-invasiv. Innere Seitenbandverletzungen können abhängig von der Stabilität auch konservativ, also mit Hilfe von Schienen und Physiotherapie behandelt werden. Risse des äußeren Seitenbandes dagegen müssen chirurgisch rekonstruiert werden. Dazu verwendet man meistens Transplantate aus körpereigenen Sehnen. Selbst Schrauben kann ich athroskopisch einsetzen. Nur bei größeren Brüchen unterhalb des Knies, bei denen eine Platte angelegt werden muss oder bei denen ein Knochenaufbau notwendig ist, würde ich mich für die offene oder kombinierte Methode entscheiden.  

PRIMO MEDICO: Sie bieten in Ihrer Wiener Privatklinik eine enge Vernetzung von Diagnose, Therapie und Rehabilitation an – ist das Ihr Erfolgsrezept? 

Nicht nur Profisportler sondern auch normale Patienten mit Knieverletzungen erwarten exzellente Ergebnisse. Die Kombination von Diagnose, Therapie und Reha aus einer Hand bietet den Patienten eine hohe Sicherheit und ist meiner Meinung nach unerlässlich, um die bestmögliche Ausheilung zu erzielen.  

PRIMO MEDICO: Wie lange brauchen Sie in der Regel, um die bestmögliche Heilung zu erreichen? 

Das ist eine delikate Frage, deren Antwort natürlich von vielerlei Faktoren abhängt. Aber als Richtwert sage ich gern: „In der nächsten Saison können Sie wieder auf die Bretter“. Rein vom mechanischen Blickpunkt her ist das Knie zwar direkt nach einer Operation wieder stabil und belastbar, selbst wenn die Funktionen der Muskulatur noch gestört sind. Unvernünftige steigen deshalb gern bereits nach drei Monaten wieder auf die Bretter. Aber vom biologischen Standpunkt her rufen Verletzungen und Operationen eine Abfolge von Traumareaktionen hervor, die individuell ausheilen müssen.  Und das kann bei rekonstruierten Bänderverletzungen dann schon mal 16 bis 18 Monate dauern.  

PRIMO MEDICO: Wie können sowohl Freizeit- als auch Profi-Skisportler Knieverletzungen vermeiden? 

Jeder Skifahrer sollte bereits Monate, bevor er auf die Piste geht mit der Vorbereitung beginnen. Das kann in Form von Muskelkrafttraining oder Skigymnastik erfolgen. Auf der Piste gilt dann, vor allem in Fragen der Geschwindigkeit das eigene Können, die Sicht- und Pistenverhältnisse richtig einzuschätzen. Für Profisportler ist gute Vorbereitung selbstverständlich. Sie können sich aber dafür einsetzen, gefährliche Rennstrecken zu entschärfen und dies auch gemeinsam mit dem Veranstalter gegenüber den Zuschauern und Medien zu vertreten. Statt auf spektakuläre Stürze zu hoffen sollte man sich lieber über solide sportliche Leistungen freuen, bei denen Gesundheit und Leben der Starter nicht riskiert werden müssen.

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