Sucht und ADHS

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Suchterkrankungen, Psychiatrie und Psychotherapie

Bad Brückenau

Informationen zum Bereich Sucht und ADHS

Was ist der Zusammenhang zwischen ADHS und Sucht? 

ADHS und Suchterkrankungen treten sehr häufig gemeinsam auf. Dieser Zusammenhang wurde über viele Jahre beforscht und viele Studien konnten belegen, dass Menschen mit ADHS, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, ein besonders hohes Risiko haben, eine Suchterkrankung zu entwickeln. Diese Studien haben gezeigt, dass etwa 25 bis 50 % der Erwachsenen mit einer Abhängigkeit gleichzeitig auch an ADHS leiden. Besonders häufig treten Nikotin-, Cannabis- und Alkoholsüchte auf.

Gründe dafür lassen sich durch neurobiologische und psychologische Unterschiede in Menschen mit AHDS erklären. ADHS und Sucht haben gemeinsame Risikofaktoren und betreffen die gleichen Areale im Gehirn. Ein wichtiger Aspekt ist auch der bewusste Einsatz von den Substanzen zur Selbstmedikation zur Linderung von ADHS-Symptomen wie Unruhe, Konzentrationsstörungen und Anspannungen.

Warum ist das Suchtrisiko bei ADHS erhöht? 

Das erhöhte Suchtrisiko bei Menschen mit ADHS wird von mehreren Faktoren beeinflusst und kann auf neurobiologische Ebene erklärt werden. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Impulsivität zu der besonders Menschen mit ADHS neigen, was bereits die Hemmschwelle zum Konsum senkt. Hinzu kommt, dass das Belohnungssystem im Gehirn bei ADHS funktionell verändert ist. Betroffene empfinden viele Aktivitäten als weniger „belohnend“ und haben daher ein verstärktes Bedürfnis ihr Belohnungssystem zu „befriedigen“, was Suchtmittel unmittelbar erfüllen.

Außerdem leiden viele Menschen mit ADHS an Stimmungsschwankungen und innerer Unruhe. Diese Gefühle begünstigen das Bedürfnis nach beruhigenden Substanzen wie Nikotin oder Cannabis. Bei Menschen mit ADHS spielt zudem das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle. Häufige Misserfolge durch die Konzentrationseinschränkungen können zu einem geringen Selbstwertgefühl führen und stellen somit einen weiteren Risikofaktor für die Entwicklung einer Suchterkrankung dar.

Welche Rolle spielt Dopamin? 

Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff im Gehirn. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Neurotransmitter, der eine zentrale Rolle im Belohnungssystem spielt. Bei einem gesunden Menschen wird dann Dopamin ausgeschüttet, wenn etwas als angenehm oder befriedigend empfunden wird, beispielsweise gutes Essen, Lob, ein Erfolgserlebnis oder das Erledigen einer Aufgabe. Dopamin ist verantwortlich für das Gefühl der Belohnung und steigert die Motivation.

Bei Menschen mit ADHS ist dieses Belohnungssystem fundamental anders entwickelt. Betroffenen steht von Grund auf weniger Dopamin zur Verfügung. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erzeugen dieselben Aktivitäten und Erlebnisse im Tag deutlich weniger Befriedigung. Somit sucht das Gehirn ständig nach stärkeren Reizen. Suchtmittel wirken genau auf dieses Belohnungssystem. Sie lösen eine massive Ausschüttung von Dopamin aus und erzeugen einen Schub von Wohlbefinden, was oft Menschen mit ADHS im Alltag fehlt.

Wie zeigt sich ADHS mit Sucht im Erwachsenenalter? 

ADHS und Sucht sind eine besondere Herausforderung, wenn sie in Kombination auftreten, da sie sich gegenseitig oft verstärken. Zumal viele Erwachsene mit ADHS nie in ihrem Leben mit ADHS diagnostiziert wurden und sich somit auch nicht bewusst sind, dass das einer der Gründe ist, der zu der Entwicklung einer Suchterkrankung geführt hat. 

Typische Symptome, die auf eine gleichzeitige ADHS und Suchterkrankung hinweisen sind unter anderem:

  • Anhaltende innere Unruhe trotz Substanzkonsum
  • Verminderte Motivation im Alltag
  • Schwierigkeiten alltägliche Aufgaben vollständig durchzuführen
  • Impulsiver Substanzkonsum
  • Stimmungsschwankungen und emotionale Instabilität
  • Wiederholte erfolgslose Entzugsversuche

Wie wird die Doppeldiagnose erkannt? 

Eine der größten Herausforderungen in der Suchtmedizin und Psychiatrie ist das Erkennen von gleichzeitig bestehenden Erkrankungen wie ADHS und Sucht. Beide Erkrankungen überschneiden sich in ihren Symptomen, was die Abgrenzung oft erschwert. Außerdem sollte eine Suchterkrankung behandelt werden, bevor eine zusätzliche ADHS diagnostiziert wird, da die meisten Suchtmittel kognitive Funktionen stark beeinträchtigen, was zu Fehldiagnosen führen kann.

Der wichtigste Bestandteil der Diagnose ist eine ausführliche Anamnese durch den Psychiater. Hier sollten vor allem die Entwicklung in der Kindheit und Schulzeit erfragt werden, da sich an der Stelle die ersten Hinweise zeigen. Auch eine Fremdanamnese von Angehörigen wie den Eltern und Geschwistern kann sehr hilfreich sein, um das Verhalten in der Kindheit zu erfassen. Bei einem Verdacht auf ADHS können außerdem standardisierte Fragebögen wie der CAARS (Conners Adult ADHD Rating Scales) oder DIVA (Diagnostic Interview for ADHD) eingesetzt werden. Auch neuropsychiatrische Testverfahren können angewandt werden, die die Aufmerksamkeit und Impulskontrolle beurteilen. 

Wie werden ADHS und Sucht behandelt? 

Die Behandlung von einer Doppeldiagnose bestehend aus Sucht und ADHS erfordert einen individuell angepassten Therapieplan, der beide Erkrankungen berücksichtigt und gleichzeitig behandelt. Eine isolierte Suchttherapie scheitert oft daran, dass bei unbehandelter ADHS das Rückfallrisiko sehr hoch ist. In solchen Fällen würde man nur die „Symptome“ (Sucht) behandeln ohne die Ursache (ADHS) mit zu berücksichtigen. 

Als erster Schritt steht die Behandlung der Suchterkrankung im Vordergrund und zunächst sollte ein Entzug unter enger medizinischer Überwachung durchgeführt und eine anschließende Entwöhnungstherapie eingeleitet werden.

Die Diagnose von ADHS erfordert eine stabile Abstinenzphase, um zuversichtliche Ergebnisse rauszubekommen. Wurde ADHS formell diagnostiziert, so kann eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden. Dazu werden bevorzugt nicht-stimulierende Medikamente wie Atomoxetin eingesetzt. Außerdem ist eine kognitive Verhaltenstherapie die wichtigste psychologische Maßnahme und zielt darauf ab, dass die Betroffenen impulsive Verhaltensweisen erkennen und Bewältigungsstrategien entwickeln.

Welche Ärzte & Kliniken sind Spezialisten für Sucht und ADHS?

Spezialisten für die Behandlung einer Doppeldiagnose aus einer Suchterkrankung und ADHS sind in erster Linie Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Wie bei anderen Doppeldiagnosen auch, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Suchtmedizinern, ADHS-Spezialisten und erfahrenen Psychotherapeuten erforderlich.

Daher sind große psychiatrische Kliniken oder spezialisierte Suchtzentren, die explizite Erfahrung in der Behandlung von solchen Doppeldiagnosen haben und beide Erkrankungen in der Therapie berücksichtigen. Allgemeine Suchtkliniken ohne ADHS-Spezialisten sind für diese Patientengruppe oft nicht ausreichend. Unsere gelisteten Fachärzte und Kliniken wurden sorgfältig auf ihre Erfahrungen und Expertise in der Behandlung von ADHS und Sucht überprüft und erwarten Ihre Anfrage.

Quellen:

  • Springer Medizin: Kölle M, Philipsen A, Mackert S. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und Substanzkonsum im Erwachsenenalter – leitliniengerechte Diagnostik und Behandlung. Springer Medizin [Internet]. 2023 Jan 12 [zitiert am 05.06.2026]. Verfügbar unter: www.springermedizin.de/adhs/adhs/aufmerksamkeitsdefizit-hyperaktivitaetsstoerung-und-substanzkons/23916050
  • PubMed Central: Praus P, Moldavski A, Alm B, Hennig O, Rösler M, Retz W. Epidemiology, diagnostics and treatment of attention deficit-hyperactivity disorder (ADHD) in advanced age. PMC. 2023. PMCID: PMC10620251. PMID: 37747504. Verfügbar unter: pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10620251/
  • 3. Kohlhammer: Ridinger M. ADHS und Sucht im Erwachsenenalter. 2. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer; 2025. (Sucht: Risiken – Formen – Interventionen). ISBN 978-3-17-044138-5