Sportverletzungen beim Fussball und deren Prävention


AKTUELL ZUR UEFA EURO 2016:  SPORTVERLETZUNGEN BEIM FUSSBALL UND DEREN PRÄVENTION

Interview mit dem Orthopäden Prof. Dr. med. Dr. phil. Victor Valderrabano, MD PhD

Sportverletzung beim Fußball Die Europameisterschaft in Frankreich ist in vollem Gange. Die Profis auf dem Rasen geben ihr Bestes und gehen über ihre eigenen Grenzen hinaus – leider nicht immer ohne Verletzungsfolgen. Wie diese am besten und schnellsten behandelt werden und vor allem, wie sie am besten verhindert werden, beantwortet Prof. Dr. med. Dr. phil. Victor Valderrabano, Präsident der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS), Vorsteher Orthopädie-Traumatologie Schmerzklinik Basel von Swiss Medical Network und exklusives Mitglied bei PRIMO MEDICO, dem Netzwerk für medizinische Spezialisten, der einige EM Stars, die bei der UEFA EURO 2016 in Frankreich im Einsatz sind, medizinisch versorgt hat.

 

PRIMO MEDICO: Was sind die typischen Sportverletzungen beim Fußball?

Prof. Valderrabano: Die häufigste Verletzung beim Fußball ist das umgeknickte Sprunggelenk (Sprunggelenksdistorsion). Hier sind in den meisten Fällen die Bänder des Sprunggelenks betroffen. Bei schweren Sprunggelenksdistorsionen können auch Knorpelschäden und Brüche entstehen. Beim Fußball gibt es natürlich auch Knieverletzungen, wie der vordere Kreuzbandriss, Meniskusschäden oder Seitenbänderläsionen. Des weiteren können auch an der unteren Extremität Sehnenläsionen (z.B. die Achillessehne), Muskelfaserrisse am Unter- und Oberschenkel, Bruchverletzungen und sogenannte „Stressfrakturen“, also Ermüdungsbrüche vorkommen.

PRIMO MEDICO: Wie behandeln Sie diese Verletzungen?

Prof. Valderrabano: Die meisten Verletzungen können zum Glück „konservativ“ behandelt werden, also ohne chirurgische Eingriffe. Wir versuchen, das betroffene Körperteil zu stabilisieren und mit Hilfe von Medikamenten und Physiotherapie wieder zu seinen normalen Funktionen zurück zu führen. Bei partiellen Sehnenverletzungen, also z.B. einem Sehnenanriss, können wir mit gespritzten Wachstumsfaktoren, zum Beispiel PRP (Platelet Rich Plasma),  gute und schnelle Heilungserfolge erzielen. Ein Eingriff wird in der Regel durchgeführt bei schweren, frischen Läsionen, z.B. Achillessehnenriss, schwerer Sprunggelenksverletzung, schwerer Knieverletzung oder Brüche. Bei geringen Verletzungen wird erst dann die Chirurgie in Betracht gezogen, wenn: die konservative Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt, d.h. wenn der Spieler sein Leistungsniveau nicht erreichen kann oder chronische Beschwerden hat. Das könnte bei einem umgeknickten Sprunggelenk der Fall sein, wenn der Spieler den Fuß in Folge der Verletzung als instabil empfindet, immer wieder umknickt oder unter anhaltenden Schmerzen leidet. In so einem Fall würde man durch einen chirurgischen Eingriff die Bänder rekonstruieren.

PRIMO MEDICO: Wenn ein Eingriff erforderlich ist, ist dann nur die Saison für den Spieler gelaufen oder ist die gesamte Karriere in Gefahr?

Prof. Valderrabano: Je nach Schwere der Verletzung kann die Heilung bei kleineren bis mittelgroßen Verletzungen 1-8 Wochen betragen, bei schweren Verletzungen aber schon 3-6 Monate in Anspruch nehmen, wie z.B. bei einem Sehnen- oder Kreuzbandriss oder einem Sprunggelenksbruch.

PRIMO MEDICO: Wie kann man die Heilung beschleunigen?

Prof. Valderrabano: Ganz wichtig ist, dass das ganze Team rund um den Spieler gemeinsam daran arbeitet, die Heilung herbei zu führen. Chirurgen, Athleten, Clubarzt, Therapieteam und Trainer – alle müssen mit ins Boot und darauf achten, dass die richtigen Therapien eingehalten werden und später ein vorsichtiger Aufbau erfolgt. In der Profi-Betreuung ist immer ein individueller Plan notwendig, um den Spieler so schnell wie möglich und voll einsatzfähig in die Mannschaft zurück zu bringen.

PRIMO MEDICO: Wie können diese typischen Fußball-Verletzungen am besten verhindert werden?

Prof. Valderrabano: Oft sind Profifußballer von Verletzungen betroffen, die übermüdet sind oder deren Muskeln nicht gleichmäßig ausbalanciert sind, deren Gelenke nicht flexibel genug sind, denen die Reaktionskraft fehlt oder einen zu aggressiven Zweikampf erleiden. Verhindert werden kann all dies durch ein gutes, balanciertes Training, individuell optimal angepasstes Equipment, sowie ausreichenden Aufwärm- und Dehnungsphasen vor dem Spiel.  Außerdem muss der Spieler im Match seine eigenen Grenzen kennen und respektieren und möglichst clever den gegnerischen Attacken ausweichen.

Für die Amateure gilt ähnliches: Sie sollten möglichst gutes Sportmaterial, also gutes Schuhwerk und gern auch Schienbeinschoner, verwenden. Und genau wie die Profis sollte sich jeder Fußballspieler Zeit nehmen, seine Muskeln aufzuwärmen und Bänder und Sehnen zu dehnen, wie von der FIFA empfohlen (FIFA 11+). Im Spiel selbst sollte man darauf achten, wann die eigenen Leistungsgrenzen erreicht sind – dann lieber Pausen machen und sich auswechseln lassen. Denn gerade in den Ermüdungsphasen kommt es häufig zu Verletzungen.

Und ganz wichtig: Ursache für Verletzungen sind oft auch überaggressive Angriffe. Daher ganz wichtig sowohl für Profis als auch für Amateure: Fairplay!

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