Skoliosen und andere Wirbelsäulendeformitäten


Ein Beitrag von Dr. med. Hans-Rudolf Weiß

Deformitäten des Rumpfes und der Wirbelsäule sind recht vielfältig. Sie schließen Skoliosen, Kyphosen und auch Brustkorbverformungen mit ein.

Skoliosen

Unter einer Skoliose versteht man eine Seitabweichung der Wirbelsäule. Eine echte Skoliose schließt allerdings auch eine Verdrehung des Rumpfes wie auch eine Störung des Seitprofils mit ein (Flachrücken / Rundrücken). Daher spricht man auch von einer dreidimensionalen Deformität von Rumpf und Wirbelsäule (1).

Ursachen für eine Skoliose können angeborene Fehlbildungen, Nerven- und Muskelerkrankungen, Erkrankungen des Bindegewebes wie auch Gendefekte sein. Die Mehrzahl aller Skoliosen (80 – 90%) sind allerdings Skoliosen unbekannter Ursache bei ansonsten vollkommen gesunden Individuen. Diese Skoliosen werden als ‚idiopathische’ Skoliosen bezeichnet (2).

Der Schweregrad einer Skoliose wird durch den Krümmungswinkel (nach Cobb) bestimmt, der auf einem Röntgenbild gemessen wird. Zur Verlaufskontrolle kann man allerdings auch den Rotationswinkel (Angle of trunk rotation = ATR) mit dem ScoliometerÔ ermitteln und eine Oberflächenvermessung durchführen.

Die meisten Skoliosen verschlechtern sich ohne Behandlung währen den Phasen verstärkten Wachstums. Nach Wachstumsabschluss bleiben die meisten Skoliosen allerdings stabil. Lediglich Krümmungen von > 35° nach Cobb neigen zu einer schleichenden Verschlechterung auch im Erwachsenenalter (3).

Nach den gängigen Leitlinien besteht die Behandlung aus

  • ambulanter Physiotherapie
  • Korsettversorgung und
  • Operativer Versteifung der Wirbelsäule.

Abb1 Seitenverbiegung des RumpfesAbb. 1.
Seitverbiegung des Rumpfes und der Wirbelsäule bei einer Idiopathischen Skoliose.
Der Rippenbuckel ist in der Ansicht von schräg hinten gut zu erkennen.
Zudem sieht man den Flachrücken im Brustwirbelsäulenbereich (3D-Scan in Vorbereitung zur Korsettversorgung).

 

 

Kyphosen

Unter einer Kyphose verstehen wir einen ausgeprägten Rundrücken. Auch hier können vielfältige Ursachen zu Grunde liegen. Die Mehrzahl der Patienten hat allerdings einen so genannten Morbus Scheuermann (4, 5). Die Kyphosen sind etwas gutartiger als die Skoliosen, können aber dennoch selten zu bedeutsamen Beeinträchtigungen führen.

Die Kyphosen können im Bereich der Brustwirbelsäule (thorakale Kyphose), der Lendenwirbelsäule (lumbale Kyphose) oder im Bereich des Übergangs zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule (thorakolumbale Kyphosen) auftreten.

Der Schweregrad einer Kyphose wird durch den Krümmungswinkel (nach Cobb, früher Stagnara) bestimmt, der auf einem Röntgenbild gemessen wird. Zur Verlaufskontrolle kann man allerdings auch eine Oberflächenvermessung durchführen.

Die meisten Kyphosen verschlechtern sich währen den Phasen verstärkten Wachstums. Nach Wachstumsabschluss bleiben die meisten Kyphosen stabil.

Nach den gängigen Leitlinien besteht die Behandlung aus

  • ambulanter Physiotherapie
  • Korsettversorgung und
  • Operative Versteifung der Wirbelsäule.

Abb2 Kyphose der BrustwirbelsäuleAbb. 2.
Kyphose der Brustwirbelsäule in Ansicht von schräg hinten.
Die Rundwölbung der Brustwirbelsäule ist klar zu erkennen.
Hier wurde die Diagnose Morbus Scheuermann gestellt (3D-Scan in Vorbereitung zur Korsettversorgung).

 

 

 

Brustkorbdeformitäten

Zu den Brustkorbdeformitäten zählen die so genannte Trichterbrust und auch die Kielbrust. Beide Deformitäten sind meist eher kosmetisch relevant. Allerdings kann es bei stärkerer Ausprägung zu Beeinträchtigungen der Atem- und Herzfunktion kommen. Dies gilt es zu verhindern. Daher muss im Wachstumsalter eine Verschlechterung der Brustkorbverformung verhindert werden (6). Folgende Behandlungsverfahren werden zur Behandlung von Brustkorbdeformitäten herangezogen:

  • Korrekturkorsette / Saugglockenbehandlung
  • Operation

Wirbelsäulen- und Rumpfdeformitäten behandlungsbedürftigen Ausmaßes sind relativ selten. Daher ist zur optimalen Prognoseerstellung und Behandlung ausschließlich die Begleitung durch einen erfahrenen Spezialisten sinnvoll wenn man optimale Behandlungsergebnisse erzielen möchte (7).

 

Literatur

  1. Lonstein J. Patient Evaluation. Moe’s Textbook of Scoliosis and Other Spinal Deformities. 1995:45 – 86.
  2. Winter R. Classification and Terminology. In: Lonstein JE BD, Winter RB, Ogilvie JW, editor. Moe’s Textbook of Scoliosis and other Spinal Deformities. 3rd. ed. Philadelphia: WB Saunders; 1995.
  3. Asher M, Burton D. Adolescent idiopathic scoliosis: natural history and long term treatment effects. Scoliosis. 2006;1(1):2.
  4. Bradford DS, Moe JH, Montalvo FJ, Winter RB. Scheuermann’s kyphosis. Results of surgical treatment by posterior spine arthrodesis in twenty-two patients. J Bone Joint Surg Am. 1975;57(4):439-48.
  5. Weiss H-R, Turnbull D, Bohr S. Brace treatment for patients with Scheuermann’s disease – a review of the literature and first experiences with a new brace design. Scoliosis. 2009;4(1):22.
  6. Weiss HR, Werkmann M. Treatment of pectus carinatum with a brace – a case report. Scoliosis. 2012;7 Suppl 1.
  7. Weiss H, Lehnert-Schroth, C, Moramarco, M, Moramarco, K. Schroth Therapy – Advancements in Conservative Scoliosis Treatment. LAP 2015.
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