„Fast jede Inkontinenz ist heilbar“


Harninkontinez

„Fast jede Inkontinenz ist heilbar“

Seinen Urin nicht halten zu können, ist weit mehr als ein medizinisches Problem. Nicht selten führt eine Harninkontinenz bei den Betroffenen zu großer Unsicherheit und zu einem Rückzug aus dem sozialen Umfeld.

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

 

PD Dr. med. André Reitz meidet das Wort „Blasenschwäche“. Der Facharzt für Urologie und Spezialist für Neurourologie leitet seit der Gründung im Jahre 2010 das KontinenzZentrum Hirslanden in Zürich/Schweiz. Seiner Meinung nach ist der Begriff „Blasenschwäche“ nicht nur medizinisch unscharf, sondern gleichzeitig auch ein diskriminierender Begriff, der nahe legt, jemand hätte seine Blase nicht im Griff und sei zu schwach, um diese zu kontrollieren: „Die Problematik einer Harninkontinenz betrifft ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter. Es ist eine Erkrankung wie viele andere auch, die man nicht durch reine Willensstärke ungeschehen machen kann. Allerdings gibt es für Harninkontinenz vielfältige Behandlungsmethoden, die in den meisten Fällen eine deutliche Linderung der Beschwerden, wenn nicht gar eine Heilung ermöglichen“.

 

Ursachen der Inkontinenz

Für eine kontrollierte Entleerung der Blase ist ein ungestörtes Zusammenspiel von Harnblase, Muskulatur, Nerven und Gewebebändern notwendig. Bei Störungen dieses Ablaufs kann es zu ungeplantem Urinabgang kommen. Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch sind vor allem ältere Menschen von einer Inkontinenz betroffen, Frauen häufiger als Männer. Bei Frauen treten die typischen Probleme oft nach der Menopause, also ab einem Alter von etwa 50 Jahren auf. Ursache ist in vielen Fällen eine Bindegewebs- bzw. Schließmuskelschwäche. Beides können mögliche Spätfolgen von Geburten sein. Bei Männern geht eine Inkontinenz häufig einher mit Prostataleiden. Dies gilt nicht nur für Patienten, bei denen die Prostata entfernt wurde, sondern auch für Betroffene, die unter gutartigen Veränderungen der Vorsteherdrüse leiden. Bei neurologischen Erkrankungen wie z.B. Multipler Sklerose, Parkinson oder auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes tritt eine Harninkontinenz in vielen Fällen als Begleiterkrankung auf.

 

Erster Schritt: genaue Diagnose

„Jeder Betroffene sollte seine Erkrankung ernst nehmen und kann dies auch von den behandelnden Ärzten erwarten“, erklärt Facharzt Dr. Reitz. Als erster Schritt müsse eine genaue Diagnose erfolgen: „Es gibt verschiedenen Ausprägungen von Inkontinenz. Bei einer überaktiven Blase kommt es häufig zu einer Dranginkontinenz. Obwohl die Blase nur gering gefüllt ist, verspürt der Betroffene einen starken Harndrang und kann den Urin nicht mehr halten. Andere leiden unter einer Belastungsinkontinenz, sie verlieren Harn bei plötzlichen Belastungen wie Husten, Lachen oder bei körperlichen Anstrengungen“. Ein Blasentagebuch, in dem Patienten notieren, wie viel sie trinken, wie oft sie sich entleeren und wie oft sie sich ggf. einnässen, ist ein Hilfsmittel bei der Suche nach der richtigen Therapie. Weitere Schritte stellen die Analyse des Urins, eine Ultraschalluntersuchung oder auch eine urodynamische Messung dar, die den Blasendruck feststellt.

 

Inkontinenz-Behandlung: so konservativ wie möglich

Dr. Reitz legt Wert darauf, zunächst die konservativen Behandlungsmethoden auszureizen, ehe er einen operativen Eingriff erwägt: „Die Basis besteht darin, die bestehende Inkontinenz zunächst mit Medikamenten zu behandeln, den Beckenboden zu stärken und den Patienten hinsichtlich möglicher Änderungen seiner Lebensgewohnheiten zu beraten. Erst wenn durch diese konservativen Therapieformen keine Besserung eintritt, kommen chirurgische Maßnahmen in Frage. Aber auch hier sprechen wir in der Regel über minimalinvasive Eingriffe, die eine lange Wirkungsdauer zeigen und keine große Belastung für die Patienten darstellen“.

 

Eine wichtige Rolle für die uneingeschränkte Funktion der Harnblase spielt das Harnröhren-Halteband aus Bindegewebe. Dieses fixiert den Blasenausgang, den Blasenhals, an der Innenseite des Schambeins. Bei Frauen, die häufiger unter Bindegewebsschwäche leiden als Männer, kommt es häufig durch eine Absenkung des Blasenausgangs zu unkontrolliertem Urinabgang. Dieses kann durch den Einsatz von sogenannten spannungsfreien TVT Bandplastiken verhindert werden, die den Blasenhals wieder in der richtigen Position verankern. Dranginkontinenz, die durch eine Verkrampfung der Blase ausgelöst wird, behandelt Dr. Reitz seit gut 15 Jahren erfolgreich mit Hilfe von Botox-Injektionen. Der Wirkstoff „Botulinumtoxin“ wird wie bei einer Blasenspiegelung durch die Harnröhre in die Blase injiziert. Bereits nach 7 bis 10 Tagen entfaltet er seine volle Wirkung erklärt der Neurourologe: „Viele Botox-Patienten erleben einen wunderbaren ‚Aha-Effekt’, wenn sie entspannt im Café sitzen und plötzlich realisieren, dass sie seit drei Stunden nicht mehr ein WC aufsuchen mussten. Diese Botox-Injektionen sind ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung, die in der Regel 9-12 Monate anhält und den Betroffenen einen enormen Zuwachs an Lebensqualität beschert. Eine andere Methode ist die sakrale Neuromodulation. Dabei werden Blasen- und Beckenbodennerven durch einen kleinen Schrittmacher elektrisch stimuliert. Die Laufzeiten der modernen Batterien liegen bei sechs bis sieben Jahren, so dass wir auch hier durch ein kleines Implantat eine langanhaltende zufriedenstellende Wirkung erzielen können“. Selbst für Männer, die nach einer Radikalentfernung der Prostata über keinerlei Schließmuskelfunktionen mehr verfügen, können Dr. Reitz und sein Team durch moderne Prothesen, wie z.B. ProAct-Ballons, das ATOMS-Kissen oder die hydraulische Prothese AMS 800 zufriedenstellende Lösungen anbieten.  

 

Bei anhaltender Inkontinenz nicht aufgeben

„Wir haben unser Zentrum bewusst „KontinenzZentrum“ und nicht „Inkontinenz-Zentrum“ genannt, erklärt Dr. Reitz, „wir arbeiten hier in einem Experten-Cluster aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen, um für unsere Patienten das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Am einfachsten ist es natürlich, wenn Betroffene gleich beim ersten Anzeichen einer Inkontinenz zu uns kommen. Aber auch nach fehlgeschlagenen Behandlungsversuchen ist noch lange nicht alles verloren. Vielleicht war es die falsche Dosis, das falsche Band. Ich werde nicht müde zu betonen: bis auf wenige Ausnahmen können wir jedes Blasenleiden verbessern, häufig bis zur vollständigen Wiederherstellung der Kontinenz“. Der größte Erfolg für die Ärzte des KontinenzZentrums Hirslanden ist, dass die meisten Betroffenen nach der erfolgten Behandlung wieder ein ganz normales Leben führen können: Sie besuchen Kino- und Theatervorstellungen, nehmen an mehrstündigen Konferenzen teil, können wieder unbeschwert lachen und Sport treiben.

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